Jahresausstellung 2021

Jahresausstellung 2021

 

Ich Hase Art

In Nürnberg haben wir zu Abend gegessen, eine holprige Stadt

Nürnberg scheint historisch wie ästhetisch hochgradig kontaminiert und als Thema für Kunststudierende in der Regel gänzlich unattraktiv zu sein. Warum wirkt die urbane Oberfläche dieser historischen Stadt, ihre verschlungenen Zeichen und die ihr eingeschriebenen Themen wie die ästhetischen Formen in denen sie uns entgegentritt als künstlerisches Material so abseitig und unbrauchbar? Schlimmer noch, die Stadt scheint sogar all das zu repräsentieren, wovor man – egal woher man kam – eigentlich geflüchtet ist, und symbolisiert somit das genaue Gegenteil all der weltläufigen Themen, mit denen man sich fortan beschäftigen wollte. Was löst die Nürnberg-Entscheidung aus, wo doch das Studium nicht selten mit der Erwartung eines inneren wie äußeren Aufbruchs und allgemeiner Befreiung verbunden wird und die lebensweltliche Umgebung einen unbestrittenen Einfluss auf die künstlerische Praxis hat? Wie geht man also als hier lebende*r und studierende*r Künstler*in mit diesen gemischten Gefühlen um, die das Zeug für Identitätskonflikte, innere Spaltungen, Selbstprovinzialisierung und Fluchtreflexe haben? Exorzistische Geisterbahnfahrten, stadtforschende City-Paartherapie und die Überwindung aller Vorurteile im bitterbösekalten Wintersemester. Die Klasse Hakimi legt ihre Ohren furchtlos auf das harte Pflaster und hört zu.

Quellen:

Nürnberger Frauengeschichte:

Bennewitz, Nadja / Franger, Gaby (2000): Am Anfang war Sigena. Ein Nürnberger Frauengeschichtsbuch.

http://bennewitz-frauengeschichte.de

Nürnberger Videoarchiv der Erinnerung:

https://www.nuernberger-videoarchiv.de/index.html 

Gertrud Gerardi, Fotografin der Nürnberger Nachrichten ab 1950:

https://www.nordbayern.de/region/nuernberg/75-jahre-nn-gertrud-gerardi-kronzeugin-des-wiederaufbaus-1.10127146

https://www.nordbayern.de/region/nuernberg/nurnberg-nach-dem-krieg-bilder-der-fotopionierin-gerardi-1.8675523

Dokus und Reportagen aus Nürnberg und der Region:

https://www.medienwerkstatt-franken.de 

Nürnberger (Sub)Kultur, Heizhaus und Quellekollektiv:

https://urbaneproduktion.ruhr/beispiel/heizhaus-nuernberg/

https://www.nordbayern.de/region/nurnbergs-spd-vorsitzender-will-die-sozialen-netzwerke-erobern-1.11051110

https://www.br.de/nachrichten/bayern/kunstaktion-an-zeppelintribuene-spaltet-nuernberger-kulturszene,SFAROGJ

https://schwarzeliste.info

Astronomieportal der Region Nürnberg:

https://www.astronomie-nuernberg.de/index.php?category=hartmann&page=sonnenuhren

http://www.hexen-franken.de/hinrichtungsorte/evangelische-herrschaften/n%C3%BCrnberg/

http://frankenland.franconica.uni-wuerzburg.de/login/data/19811_4.pdf

https://www.exilforschung.uni-hamburg.de/forschung/publikationen/exilograph/pdf/exilograph25.pdf

Baier, Alfons (2009). Die mittelalterliche Natursteingewinnung sowie die hydrologischen und geologischen Verhältnisse am Schmausenbuck östlich Nürnberg. (http://www.angewandte-geologie.geol.uni-erlangen.de/schma01.htm)

Gregor, Neil. (2017). Nürnbergs NS-Vergangenheit und der Umgang mit historischen Zeitschichten. In: Lehner, Julia (Hrsg.), Erhalten! Wozu? Perspektiven für Zeppelintribüne, Zeppelinfeld und das ehemalige Reichparteitagsgelände. Schriften des Kulturreferats der Stadt Nürnberg (Band 02).

(https://www.nuernberg.de/imperia/md/nuernbergkultur/dokumente/veroeffentlichungen/schriften_des_kulturreferats_band_2.pdf) 

Weizman, Eyal. (2012). Forensic Architecture: Notes from Fields and Forums / Forensische Architektur. Notizen von Feldern und Foren. Documenta (13), 100 Notes – 100 Thoughts / 100 Notizen – 100 Gedanken, Band 062. Osfildern: Hatje Cantz 

Azuero-Quijano, Alejandra (2021). Making the “World Spectacle Trial“: Design as Forensic Practice at the Nuremberg Trials. In: Grey Room 2021. (82): 64–85. 

https://www.amazon.de/Mythos-Tr%C3%BCmmerfrauen-Tr%C3%BCmmerbeseitigung-Nachkriegszeit-Erinnerungsortes/dp/3837511782

https://www.youtube.com/watch?v=umRIzYClBaw&t=369s

https://www.nuernberg.de/internet/soer_nbg/alle_baustellen.html

https://www.youtube.com/watch?v=gcPoDDgl1yM&t=193s

https://www.amazon.de/Mythos-Tr%C3%BCmmerfrauen-Tr%C3%BCmmerbeseitigung-Nachkriegszeit-Erinnerungsortes/dp/3837511782

https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Schembartlauf?uselang=de

https://mubi.com/de/films/germany-year-zero

http://www.schembart.de

https://www.youtube.com/watch?v=wMnC665fP7s&t=191s

https://www.google.com/maps/place/Melanchthonpl.,+90443+Nürnberg/@49.4401377,11.0672993,17z/data=!3m1!4b1!4m5!3m4!1s0x479f5705a393762b:0xbc8aa997b9edee8d!8m2!3d49.4401342!4d11.0694933

Dieter Kühn, Frau Merian! – Eine Lebensgeschichte, S. Fischer Verlag

Ästhetik der Differenz, Postkoloniale Perspektiven vom 16. bis 21. Jahrhundert : 15 Fallstudien, Viktoria Schmidt-Linsenhoff, 2014

https://www.deutsches-museum.de/bibliothek/unsere-schaetze/biologie/merian/flos-pavonis/?sword_list[]=merian&no_cache=1

Der Raupen wunderbare Verwandelung und sonderbare Blumen-nahrung : erster und anderer Theil : Blüten, Raupen, Schmetterlinge / Maria Sibylla Merian, Berlin : Favoritenpresse, 2020

Londa Schiebinger, Verlorenes Wissen, Systeme der Ignoranz und die Beschränktheit der Taxonomie am der Flos Pavonis, einem Abortivum, in Frauen Kunst und Wissenschaft 23, S.7-28

Poulton, Edward B., „The Colours of Animals“ 1890 (2. Aufl.) , S. 12-15

http://www.kommunalflaggen.de/cgi-bin/db.pl?eintrag:09564000:

https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/is00309000/0001

https://www.nuernberg.de/imperia/md/sun/dokumente/abwasser/schautafeln_100_jahre.pdf

https://www.youtube.com/watch?v=WM8Uopy9JqI&feature=youtu.be

file:///C:/Users/monik/AppData/Local/Temp/current.musicology.87.binder.47-131.pdf

https://nuernberg-stadt.bund-naturschutz.de/biotope/aktuelle-biotope/marienbergpark

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Sakralbauten_in_N%C3%BCrnberg

http://www.sehepunkte.de/2007/10/pdf/12878.pdf

https://offscreen.com/view/nunsploitation

https://literaturkritik.de/pangritz-theologie-und-antisemitismus-abschied-nicht-nur-vom-lutherjahr,24037.html

https://kunstnuernberg.de/plaerrer-hochhaus-ein-wahrzeichen-nuernbergs/

https://www.hdbg.de/lh/hdbg-lh_themen_eisenbahn_themen_02.php

https://materialarchiv.ch/en/ma:material_1354

https://museologien.blogspot.com/2018/03/die-butzenscheibe-erklart-texte-im.html?m=1

https://www.historfen.ch/butzenscheiben-und-mondglas/

http://www.angewandte-geologie.geol.uni-erlangen.de/nbg4_00.htm

Fembohaus:

https://museen.nuernberg.de/fembohaus/

 

Vorträge, Beiträge, Interessantes zu und über Nürnberg:

Nürnberger Frauengeschichte

 

 

 

 

 

 

Frauen im Nationalsozialismus

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Butzenscheiben

Der Plärrer

 

 

Forensische Architektur

 

 

Der Rosenaupark

 

 

Das Nürnberger Ei

 

 

Der Schmausenbuck

 

 

Bäume, Symbole, Nationalsozialismus, Sündenbock

 

 

Nürnberg: Schwarz Rot

 

New Brutalism, Britische Nachkriegszeit, Independent Group

 

Oper. Nürnberg. Nationalsozialismus

 

Heizhaus Nürnberg

 

Karl Bröger (Haus)

Stadterkundung

 

Maria Sibylla Merian

 

 

 

„Zu Nürnberg haben wir gefrühstückt, eine hässliche Stadt! W.A. Mozart“ (Arbeitstitel)

Nürnberg scheint historisch wie ästhetisch hochgradig kontaminiert und als künstlerisches Material für junge Studierende in der Regel gänzlich unattraktiv zu sein. Aber warum ist das eigentlich so? Warum erscheint die urbane Oberfläche dieser historischen Stadt, ihre Zeichen und die ihr eingeschriebenen Themen und die ästhetischen Formen in denen sie uns entgegentreten, als künstlerisches Material so abseitig und unbrauchbar?

Schlimmer noch, die Stadt scheint sogar all das zu repräsentieren wovor man, egal woher man kam, eigentlich geflüchtet ist, und somit das genaue Gegenteil all der coolen weltläufigen Themen mit denen man sich fortan beschäftigen wollte.

Aber warum entscheiden sich dann junge Menschen dennoch dafür in der Burgstadt zeitgenössische Kunst zu studieren, wo doch diese Lebensentscheidung nicht selten mit der Erwartung eines inneren wie äußeren Aufbruchs und allgemeiner Befreiung verbunden wird und die lebensweltliche Umgebung einen unbestrittenen Einfluß auf die künstlerische Praxis hat?

Wie geht man also als hier lebende und studierende Künstler*in mit diesen gemischten Gefühlen um, die das Zeug für Identitätskonflikte, innere Spaltungen, Selbstprovinzialisierung und Fluchtreflexe haben?

Wir wollen uns diesen Fragen, Konflikten, Gefühlen furchtlos stellen und uns hineinbegeben in ein bitterbösekaltes Wintersemester zwischen exorzistischen Geisterbahnfahrten, stadtforschender City-Paartherapie und Überwindung aller Vorurteile! Wir wollen unserer Stadt eine Chance geben, sie verstehen und vielleicht sogar schön finden lernen, unsere Ohren auf ihr hartes Pflaster legen und hören was sie uns zu sagen hat.

Zunächst werden wir dafür alle Museen, Kirchen, Archive und Bibliotheken der Stadt besuchen und dieses untote historische Sandwich von allen Seiten in Augenschein nehmen, seine Häuser, Geschichten und Auslagen durchkämmen auch um zu sehen wie es sich selber sieht.

Im Kerzenschein unseres neugewonnenen Wissens werden wir uns dann schließlich unsere eigenen Geschichten erzählen: Welche krummen Pfade unserer kurzen Biografien haben uns eigentlich hierher geführt und aufeinander treffen lassen? Was hat das mit uns gemacht, wie haben wir uns dabei gefühlt und was fangen wir jetzt damit an?

Schließlich wird es darum gehen, möglichst jenseits urbanistischer und stadthistorischer Recherche-Allgemeinplätze, aus unseren Exkursionen durch die Zeit, leuchtend-trübe Farben zu destilieren und der Stadt unserer Albträume, einen wilden emotionalen Spiegel vorzuhalten den wir ihr am Ende als kunstvoll gefalteten Drachen ins Schaufenster stellen werden.

„Alle Häuser, auch die neuen, haben etwas schwerfälliges und beleidigen durch die Erker und die vielen Schnörkel das Auge …“„… Nürnberg ist die schönste Stadt, die ich je gesehen habe, sie ist in ihrer Ganzheit ein wahrhaftiges Kunstwerk. Die Zierlichkeit, Heiterkeit und Reinheit dieser mannigfaltigsten Schönheitslinien füllte mich mit den wohltuendsten Empfindungen.“

c.ph. harsdörfers poetischen trichter macht nürnberger witz zum nürnberger trichter Minus 970 Jahre

Minus 358 Jahre

Nürnberg-Atlantis

Lasst uns

die Stadtbauklötze ausseinanderbauen, digital, schlendern, real, durch das so lange gewachsene Mosaik mit Röntgenadleraugen von oben und von unten blicken, rasieren und wachsen, Provinz zu Unprovinz machen, anlachen und auslachen, „Masken, Gespenster, Lügengebäude“ spazieren, rekonstruieren was zerstört wurde und zerstören was rekonstruiert wurde, flanieren, untersuchen, die Staubsedimente aus dem Stadtarchiv blasen, forschen, galoppieren, Wächter der Stadt sein und Angreifer der Stadt sein, jeden Stein rausziehen, dreimal umdrehen, begutachten und alles wieder zusammensetzten und auf andere Blickwinkel kommen, kritisieren, unterlaufen und überlaufen, Touristen sein und Antitouristen sein, in alle Museen gehen: ,,Agnes,,Albrecht,,Anton,,Barock,,Barthel,,Behaim,,Beham,,Burg,,Christine,,DB,,der,,Doku mentationszentrum,,Dürer,,Ebner,,Ei,,Egidienkirche,,Ernst,,Fembohaus,,Frauenkirche,,Fug ger,,für,,Gegenwart,,germanisches,,Gotik,,Grundig,,Haller,,Hannah,,Hans,,Hartmann,,Haus ,,Heinlein,,Hermann,,Hesperidengärten,,Historismus,,Höfe,,Industrialisiserung,,Industrieku ltur,,Johann,,Johannisfriedhof,,Jugendstil,,Keller,,Klara,,Klassizismus,,Kommunikation,,Lor enzkirche,,Maria,,Martha,,Martin,,Marusha,,Mauern,,Max,,Memorium,,Merian,,Moderne,, Morlock,,Museum,,Museum,,Nachkriegszeit,,Nationalmuseum,,Nationalsozialismus,,Nürn berger,,Otto,,Pachelbel,,Pellerhaus,,Peter,,Peunt,,Plärrer,,Plätze,,Prozessse,,Reichsparteit agsgelände,,Renaissance,,Rochusfriedhof,,Romanik,,Sachs,,Schedel,,Schweizer,,Sebaldu skirche,,Sibylla,,Sigismund,,Sinne,,Spielzeugmuseum,,St.,,Stockbauer,,Synagoge,,Tiergär tnertor,,Tucherschloss,,Turm,,Vischer,,Wirtshäuser,,Zapf,,Ältere,,

United Nations Nuremberg

Wie entwickelt und verändert sich Stadtraum über die Zeit? Wo befanden sich im historischen Nürnberg Apotheken, Bäckereien oder Gaststätten? Was verbindet die Frauenkirche und das Stromerhaus? Derartige Fragen beantwortet das innovative Forschungsprojekt TOPORAZ.

Wie positionieren wir uns in unserer Stadt als oberstes, hauchdünnes, transparentes, frisch gehäutetes Layer der Geschichte? Wie beeinflusst die Stadt in der wir wohnen unser Denken und unsere Arbeiten? Was für Bedeutungsebenen haben die Räumlichkeiten in denen wir Studieren? Was bedeuten die Räume der Akademie Galerie? Adlerstrasse! Auf AEG! Hauptmarkt! Was für ein multidimensionales Netz können wir über unsere Umwelt legen? Wie Wolfgang Amadeus Mozart sagte: „Zu Nürnberg haben wir gefrühstückt – eine hässliche Stadt“

 

 und wie ich zu nürnberg gefrühstückt habe

jetzt bin ich überfressen

an informationen

dabei hatte ich nicht mal hunger nach der für mich immergrauen stadt

jeder bissen war ein neuer schlag in die magengrube

von der kalten vorspeise die aus exkursionen und bekenntnissen bestand bis hin zu dem online hauptgang a la slideshows und kurzvorträge, die immer noch so schwer wie sandstein im magen liegen

die dunkelbraune Suppe aus der vergangenheit, die mit pegnitz wasser angerührt wurde, vermischte sich mit der flut von random erfindungen aus dieser stadt und ergeben zusammen einen undefinierten klumpigen grauen brei aus gefühlsblindheit

und ich musste sie komplett alleine in meinem zimmer mit candle light auslöffeln

gegenüber von mir saßen nur rechtecke

auf die nachspeise kann ich also gut und gerne verzichten 

Eine Stadt erkunden, ausschließlich digital, Recherche, Links, Themen, Digital, Links, Laptop, Handy, Zoom, Dokumentationen, Filme, Youtubevideos, Links, Cloud-y, von Sommer bis Herbst, bis Winter, und dann doch im Sommer. Wie erfährt man eine Stadt, nur Digital? Ist das aktuell oder haben wir unsere Ohren nur auf die Tastatur gelegt anstatt auf die Pflastersteine?

Wie bist du nach Nürnberg gekommen? 

Wie fühlst du (,) Nürnberg?

Ausgangspunkt der sich hier zur Schau stellenden kollektiven Skizze einer Art Schicksalsgemeinschaft, die ausgerechnet hier, in der Stadt Nürnberg ganz zufällig durch ihre ureigene Studienentscheidung miteinander verbandelt wurden, war ein Gespräch über Emotion, Herkunft und Sozialisation.

Wo überschneiden sich unsere individuellen Narrationen, Erfahrungen und Motive? Mit welchen Mitteln hat sich diese Stadt in unsere Seelen eingebrannt? Um unsere subjektive Befangenheit zu verstehen, stellten wir sie zunächst zeitweise zurück, und machten es uns zur Aufgabe den objektiven Geist, das Wesen, das Erbe, das Bild, das Leiden, den Korpus, die Geschichte dieser Stadt aufzuspüren, zu greifen, um sie/es/ihn schließlich hier in dieser Galerie aufzutischen. Es eröffnete sich uns ein tiefgreifendes, multidivers verästeltes, nicht endenwollendes labyrintisches Netzwerk. Ob man sich nun entschied, ein bestimmtes Ereignis, einen gewissen Ort, einen Zeitraum, kausalen Zusammenhang, eine Perspektive oder ein Material als Vehikel zur Erfassung dieses Systems zu nutzen, so schuf man bestenfalls lediglich neue Kreuzungen. Das vermeintlich Objektive entpuppte sich höchstens als subjektiver Konsens einzelner Interessengemeinschaften. So haben wir es hier mit einem hoch individualisierbaren, verletzlichen, jahrhundertealten, munter agierendem Geschwulst zu tun. Wir besinnen uns an dieser Stelle zurück auf uns und das Resonierende, und zeigen,  was sich während unseres Aufenthalts und dem Aufenthalt anderer Subjekte und Kollektive innerhalb dieser nicht aufzuhaltenden Wucherung in uns, anderen, und auf der Kruste gerade dieses Flecks der Erdoberfläche inskribiert hat. Wir heben vor, verknüpfen und schreiben fort, und bleiben doch fragmentarisch. 

Ach Noris, 

Damals schlang Rösel von Rosenhof eine Wortranke  

um einen kleinen in deinem Schlamm schreitenden Knoblauchgeruch: 

Eau de Lurch mit braunen Flecken

„Schwarzes, in losen Zöpfen flatterndes Haar, besonders an den Flanken können rötliche Flecken und Warzen hinzukommen. Stechende schwarze Augen, die am Tage schlitzförmigen Pupillen zuweilen wild aufblitzend, oft wie todesstarr. 

Sie kriecht…

am Boden hin. Mit den Mähnen fegt sie das Moos.“

Katharina über die Lebensweise der Flammenden im Klosterboden: 

„Der Aufenthalt unter Tage und in einem feuchten Milieu schützt die ursprünglich Marktkessel und Kindbett Bewohnenden vor spiritueller Austrocknung und gewährleistet gleichzeitig die so bedeutsame Hautflammung. Die Dauer des Eingrabevorgangs ist dabei von der Bodenbeschaffenheit und vom Erregungszustand abhängig.

Und noch dazu sind die Flammenden hier nicht unmittelbar von Beutegreifern bedroht!“

Und Richard, an seinem Tofusandwich knabbernd:

„Auf, Kundry, Auf! Der Winter floh, der Lenz ist da! Erwache! Erwache dem Lenz!“ 

Flammend –

bin ich aufgewacht

Brennend –

in Mariens Arm,

rot dir, meiner Höllenrose, rot & rot & tot der Stadt.

Mir liegt eine Riesenkaulquappe im Magen (bis zu 22 cm groß),

sie isst deinen Namen und folglich:

Schrumpfmetamorphose zu Ehren deiner Sommersprossenvermehrung (braune Flecken).

Meine Liebe Frau: In den Mauerzacken wie in deiner Krone liegen,

mein Zauberweib: deine Wangen mit Gold beritzt & 

tief im Gewandschlitz vergräbt sich ein Riss

Herodias, habe dir Rosenköpfe auf die Tafel gehitzt

Pelobates fuscus & und ein mit Flammen pedikürter Fußkuss

Und ein mit Tränen pedikürter –

Blick, Magdalena: Der katzäugige Tag und der Horizont bei Nacht: Namenlos bist du mir aufgewacht

Outside, ewig Wandelnde 

in the middle of the blushing night 

neongrüne Eva, neongrüne Erbse im Sebaldusportal

oder dort: zwischen zwei Kippen im Burggraben im Schnee im kurzvor10 nächtlichen Weh

der errötenden Zoomleitung

Sandsteine in den Drink gerührt & 

Eiswürfel missend ihrem Lavablick zu Knie geführt

Those blushing knees

Meine urkalte Urteuflin, schmilzt heran und dann:

Deine fünfte Wunde, die in Brandblasen schmiegt

Du fünfter Muscheltod

mein erstes Muschelrot

mein erzürnt-farbener Teich

mein blushing „vielleicht“

Ach Nürn, Ach Nürn, du weißt…

Zu Nürnberg gefastet in Nürnberg gerastet

Zug Kutsche Bomber

Von Nah und fern rangetastet

Zoom

Abgewogen verschachtelt entnazifiziert

Nürnberg hält einiges bereit was augenscheinlich verborgen liegt, doch bei genauerem hinsehen wird man eingesogen

an der Fleischbrücke hängen keine Schlösser über Pegnitzwogen

Das Interesse der mehrköpfigen Nürnberger vereint sich zu einem Traditions-matsch und glänzendem Verstaubtsein

Die Rufe aus dem Vergangenen, Untergegangenem, Verbrannten, ich kann sie doch hören

Mit grauem Gewande und lockig das Haar 

Ritt den Nürnberg herunter der Balthasar 

Rechts schaut er hin, da hockt der Nachtmahr

Doch verlassen ward das Gastmahl schon seit einem Jahr

Personen wurden zu Salzsäulen gemacht

Sie schauten aus wie kahle Gipfel in der Kühlschranknacht

Zwiebeln gehäutet, Pizza gebrutzelt 

Faulheit im Teig und die Wurst wird gezuzelt 

Wirklich Hässlich und berstig und doch egal

Trauer? Mittleid? So sah es aus bei dem Gastmahl

Er ritt weiter, weiter, weiter bis zu dem Schloss mit gemach

Nicht wissend wer gestern noch im Gemäuer sprach

Zeigen, zeigen, zeigen was will er bloß meistern 

Vor ihm: Wege die spalten und Wege die verblassen

Wälder aus Dornen will er zurücklassen

leben, lieben und lachen, zum Trotz den Geistern?

Fesseln und lösen und betäuben sofort!

Zerstören, verbrennen, das Gastmahl muss fort!

Fort von dem Ort…

Metropolregion mit Kleinstadtcharakter und Großstadtgelaber. Sauberer Gehweg und Rotz am Straßenbahnfenster.  Stadt der Erfinder, Stadt der Nazis, Stadt der Dürer, Stadt mit der Messe, Stadt mit Lifesaver-Dächern (außer die geldigen), die Stadt die echt richtig gern Kulturhauptstadt sein wollte.  Die Stadt mit dem Riesen Nazibau zwischen Tretbootschwänen und Riesenrad. 

Das unendliche DB-Museum, Fan-Favourite FemboHaus, Friedhöfe sind der neue Instascroll.

Traditions-Lebkuchen aber eigentlich Handelshostie. 

Krasser Brunnen, aber eigentlich krass sexistischer Brunnen.

Burgberg, aber eigentlich langsam schrumpfender Bergnippel.

Nürnberger für Schlüsselloch-Spaß, aber eigentlich Mogelwurst im Schafsdarm.

Haltestelle Tristanstraße, aber eigentlich Vorhof der Nazitunnel.

Wochenmarkt in Frankenfarben, aber eigentlich Progromlichtung.

Schicht über G’schicht über Schicht über G’schicht.

Eine Welt ohne Amerika.

Ein Mensch und seine eigene Zeit.

MP3. Das Tempo. Der Adler (ohne Tempo)

Black Lives Matter, Reichsbürger, Trichter

Medic-Center, Künstlerhaus, Hitler

Mohren-Apotheke, Bier-Pipeline, Aka

Wirtschaftsprüfer, Waffenlieferant, Vitrine

Bahnhof ohne Bahnhofsuhr,

Wasserski.

Sandra Fucking Bulllock.

Das Vorhaben, Nürnberg als Stadt, mit dessen Kunstakademie, die uns vereint, als Kulisse für individuelle / kollektive Denk- und Arbeitsweisen zu untersuchen mündet wie erwartet in mehr Fragen als Antworten. Angefangen mit dem Versuch, zunächst Nürnberg als Stadt auf einen bestimmten Ort zu begrenzen, über die Unternehmung historische Eingrenzungen vorzunehmen bis hin zu ausufernden Bemühungen die politische/ideologische Gesichte dieser Stadt mit der, der eigenen Herkunftsorten ins Verhältnis zu setzen. Am Ende steht doch fest: Nürnberg ist auch nur eine Stadt. Wer Dreck sucht, wird Dreck finden. Wer Schönes sucht, wird schönes finden. Egal ob in Mittelfranken oder sonst wo. 

I drew a map of Nuremberg

oh Nuremberg

with your face sketched on it 

dreimal 

viermal 

neunnullvierfünfnull mal

neunnullviersiebenacht mal 

neunnullvierzweineun mal

neunnullviersechseins mal

I drew a map of Nuremberg

oh Nuremberg

with your face carved out 

twice

cut out 

crossed out

I want to cross myself out 

of you, Nürni

Einwohnermeldeamt 

rip my identity off this city

tender 

slowly 

es soll richtig weh tun

Aber es klebt noch

Unser ganzer Stolz 

Unser Nürnberg

Es klebt am hölzernen Überschuh 

Mit dem ich dazu verdammt bin täglich durch die historische Pampe zu warten

Die Straßen sind geflutet davon

Klebriges, ekliges, pittoreskes

am dreckigen Fluss,

der keiner ist

Insel der Ratten uns Gänse 

formiert euch 

Wir sind die Jungs aus der Nürnberger Lebkuchenstadt

Umschlossen von Aquarell und Nazis

Nazis 

Nazis

Nazis

Und wenn ich die Straßen verlasse ist noch immer alles gespeichert auf dem USB Lebkuchenstick

der mein städtisches Gehirn ist

Germanisch Nationaler Objektkatalog

Schaut gerne vorbei 

Aber nur von 10-13:30 

Und 14:30 bis 18 Uhr 

Das Hauptsächliche ist gesperrt

Das Nebensächliche eigentlich auch

Und Mittelalter und Kreuzgang ist gerade eigentlich auch eher schwierig 

AARRGGH

And I wish there was a treaty we could sign

auf Pergament mit goldener Bulle versiegelt 

gefaltet, gestorben und begraben 

I do not care who takes this bloody hill

Es ist 

NUR EIN BERG

I’m angry and I’m tired all the time

I wish there was a treaty, I wish there was a treaty

Between your love and mine

Between Nuremberg and I

Was macht eine Stadt aus? Architektur, Geschichte, Gesellschaft? Viele Geschichten verbinden sich zu einem Strang, doch meine Suche beginnt bei Sigena. Nürnbergs Frauen, selten gesehen, doch immer dabei. Sie dienten, sie webten, sie nähten und stickten. In den Händen das Brot, die Kerzen, das Bier. Alles entsprang ihrem Handwerk und Gespür. Sie pflegten, sie halfen, sie brachten Leben auf die Welt. Sie färbten, schrieben und malten im schwesterlichen Geiste vereint. Frauenarbeit, Frauenkörper im Dienste Nürnbergs, herangezogen durch die Puppenhäuser dieser Stadt. Aber nicht passiv, nicht immer versteckt – stark und herausragend kämpfen sie sich hervor und schreiben sich immer mehr in den Kanon dieser Stadt ein. Sie verewigen sich durch Taten, Schriften, Ideen und Bilder und prägen Nürnberg bis heute. 

mein ehrfürchtig, abgestumpfter blick ruht auf unserer zerstückelten neometropole

bröckelige Romanze in rot-weiß ockergrau

Nürnberg, unendlich schwere Mauerinsel, klein und ermattet suchst nach rauer identitäsfassade 

schmückst dich mit spitzgauben und alpha bauten

du erschöpfte arbeiterstadt es geht burgbergab mit dir und der goldene ring ist schwarz

nürnberger stil, nazikoloss und frankenspelunke

fränkelnde vag bandansage kriecht durch die provinzregion nürnberg

franken-bleibmirvom-laib

ich spreche nur hochdeutsch

leblose kultur fabriziert und eingebettet

die neuen regenten lauern in der ideologiekonserve, ausschöpfend vollendend und innovativ

aber am albrecht dürer airport im garlic land will niemand landen

kaiserliches shopping holpert durch die stadt

die kunstakademie hat sich vor dir im wald versteckt

die muffigtrübe pegnitz rauscht langsam

zwischen yuppie lifestyle und bayrischem prestigeprotz

beim ausfüllen deiner löcher entsteht ein völlegefühl

nürnberg ich will garnichts mehr wissen und trotz aller versöhnenden liebe zu dir bin ich brechend satt. 

ich will die flucht ergreifen, den eppelein-sprung wagen, doch ich stecke fest im sandsteinnest.